Kurzprosa, Sprachgeschichte, Rechtschreibung und Stil, Social Media und Sprache - neue Kurse

2014 bietet das Deutsche Seminar der UZH folgende Weiterbildungskurse an:

Kleine Formen? Kurzprosa der Gegenwart

Die Dominanz des Romans verstellt den Blick auf die erzählerische Vielfalt der Gegenwart. Erlebte die Kurzgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg einen medienpolitisch bedingten, beachtlichen Höhenflug, ist sie längst wieder zu einem von Verlagen gefürchteten und vom Publikum kaum beachteten Nischengenre geworden. Dass sich nur wenige Autorinnen und Autoren wie Judith Hermann, Peter Stamm oder Alexander Kluge als genuine Meisterinnen und Meister der kleinen Form etablieren konnten, sagt jedoch wenig aus über den narrativen Reichtum, der sich im Schatten hoher Auflagen entwickelt hat – und weiter entwickelt. So sind es nicht zuletzt die neuen, digitalen Kanäle, die der kleinen Form von der Short Story bis zum pointierten Blog-Beitrag zu neuem Glanz verhelfen.

Der Kurs zielt auf einen Überblick über das aktuelle erzählerische Spektrum jenseits des Romans und versteht sich als Einladung zur Lektüre ebenso wie als Einführung in die Analyse und Interpretation kurzer Formen, wie sie auch im Unterricht Anwendung finden kann.

Sprachgeschichte aktuell

Was hat «kriegen» (in der Bedeutung von «bekommen») mit «Krieg» zu tun? Inwiefern ist der griechische «patēr» mit unserem «Vater» verwandt? Weshalb haben Schweizer «Hünd» und keine «Hunde», «Fründ» aber keine «Freunde»? Und wer verändert eigentlich die Sprache?

In dieser Veranstaltung setzen wir uns – ausgehend von der deutschen Gegenwartssprache – mit Sprachwandelphänomenen auseinander. In vier thematischen Blöcken «Sprachenvergleich/Sprachverwandtschaft», «Etymologie», «Bedeutungswandel» und «Prinzipien des Sprachwandels» erhalten die Kursteilnehmenden einen Einblick in die Grundlagen der historischen Linguistik. Zudem werden angewandte Ideen für die fachdidaktische Umsetzung sprachgeschichtlicher Themen diskutiert.

Selbst- und Fremdbilder im Gespräch

Wie man sich selbst darstellt und wie man über andere spricht, das sind zentrale Aspekte privater und beruflicher Gespräche. Wenn wir mit anderen sprechen, verwenden wir fast immer auch Verfahren der Selbst- und Fremddarstellung, indem wir z.B. uns selbst oder andere einer Gruppe zuordnen («wir Radfahrer», «ihr Autofahrer»), uns charakterisieren («ich bin jemand, der gerne liest») oder von unserer Arbeit erzählen.

In dieser Weiterbildung lernen die Teilnehmenden theoretische Konzepte und konversationelle Verfahren der Selbst- und Fremddarstellung aus gesprächsanalytischer Perspektive kennen: Anhand von Audio-/Video-aufnahmen und Transkripten von authentischen Gesprächen arbeiten sie diese Verfahren selbst heraus und/oder überprüfen und festigen theore-tisches Wissen an Gesprächsbeispielen.

Wem gehört die deutsche Sprache

Die deutsche Standardsprache, bisweilen auch als Hochdeutsch bezeich-net, wird im deutschen Sprachraum uneinheitlich verwendet. Die Soziolinguistik fasst sie deshalb wie z.B. auch das Englische entlang von arealen oder nationalen Varianten wie als plurizentrische Sprache auf. Da die Varietäten im deutschen Sprachraum auch von den Sprecherinnen und Sprechern selbst vielfach gar nicht als solche wahrgenommen, oder – wenn überhaupt – weiterhin als Abweichungen (z.B. als Helvetismen, als Austriazismen) aufgefasst werden, erscheint das Deutsch Deutsch-lands als das unverändert «eigentliche» Deutsch.

Neben Grundlagen und Fragen der Modellierung der Standardsprache bzw. der Variation sollen die neuesten einschlägigen Forschungsergebnisse präsentiert und diskutiert werden. Der Weiterbildungstag hat zudem das Ziel, Fragen des konkreten Umgangs an Beispieltexten mit Sprachnormen (in der Schweiz) zu diskutieren.

Fit in Rechtschreibung, Grammatik und Stil

Schlagen Sie auch nach, ob «kennenlernen» oder «kennen lernen» korrekt ist und ob es «betreffend der Absprache» oder «betreffend die Absprache» heisst? Zerbrechen Sie sich über die Kommasetzung den Kopf? Haben Sie gelegentlich Schwierigkeiten bei der Suche nach einer treffenden Formulierung?

Der Kurs führt zu mehr Sicherheit in Rechtschreibung und Zeichensetzung, bei grammatischen Tücken und im Umgang mit formalen und stilistischen Fragen. Üben Sie sich anhand typischer und kniffliger Zweifelsfälle in der Anwendung der Regeln, um die Rechtschreib- und Kommaunsicherheiten im beruflichen Alltag leichter bewältigen zu können. Schärfen Sie Ihr Bewusstsein für korrekten Sprachgebrauch und guten Stil. Die individuellen Anliegen der Teilnehmenden werden vorab erfasst und beim Kursprogramm, soweit möglich, berücksichtigt.

Hinweis: Der Kurs wird als eintägiger Kompaktkurs angeboten und als zweitägige Variante, wobei die einzelnen Tage auch separat besucht werden können.

Mittelalter und Mittelalterrezeption im Unterrricht

Oft kennen Schülerinnen und Schüler das Mittelalter eher durch Rollen- und Computerspiele oder Kinofilme. Weil dort aber häufig Klischees bedient werden, lädt der Kurs dazu ein, anhand mittelalterlicher Texte in zeitlose Themen wie das Skandalon heimlicher Liebe, Probleme des Erwachsenwerdens oder gesellschaftliche Integration einzutauchen: Davon handeln nämlich Wolframs «Parzival», der Minnesang oder Gottfrieds «Tristan». Doch wie lässt sich diese Art von Literatur im Unterricht vermitteln? Texte, die handschriftlich überliefert sind, noch dazu in der uns fremden Sprachstufe des Mittelhochdeutschen? Im Kurs werden wir dafür leicht gangbare Wege aufzeigen.

Ohne Namen keine Sprache

Eigennamen bilden einen ganz wesentlichen Bestandteil unserer Sprache. Sie sind gewissermassen das «Fleisch am Knochen» einer jeden Kommunikationssituation, sie geben Mensch und Tier, Örtlichkeiten, Ereignissen usw. eine je eigene, unverwechselbare, individuelle sprachliche Gestalt, ohne dass sie zunächst im eigentlichen Sinne etwas «bedeuten». Über die Namen finden wir uns zurecht, orientieren uns in Beziehungsgefügen, im Raum, aber vor allem auch in Texten jeder Art.

Im Kurs soll jene spezielle Wertigkeit der Eigennamen praktisch und theoretisch reflektiert und es sollen die Unterschiede zu den «normalen Wörtern» herausgearbeitet werden. Darüber hinaus wird der Kurs aber auch anleiten, wie sich Namen analysieren lassen. Denn hinter fast jedem Eigennamen steht auch ein solches «normales Wort», dessen Bedeutung und Geschichte viel Interessantes preiszugeben vermag. Eine praxisnahe Einführung in die selbständige Analyse von Vor- und Familiennamen sowie von Ortsnamen der deutschen Schweiz soll den Kurstag abrunden.

Facebook und die Folgen für das Schreiben in der Schule

Wie gestaltet sich das Schreiben in neuen Kommunikationsformen wie Chat, E-Mail, Facebook? Welche Auswirkungen hat dies auf die Schreibkompetenz der Schreiberinnen und Schreiber? Und welche Möglichkeiten bieten sich an, das Thema «Schreiben und neue Medien» im Schulunter-richt zu behandeln? Ausgehend von exemplarischem Textmaterial gehen wir im Kurs diesen aktuell viel diskutierten Fragen nach.