Die Uni für wissbegierige Seniorinnen und Senioren

Seit Ende September strömen wieder wissbegierige Ältere an die Universität Irchel. Dann beginnen jeweils die Vorlesungen an der Senioren-Universität. Der emeritierte Wirtschaftsgeographieprofessor und Präsident der Senioren-Universität, Hans Elsasser, erklärt, wie diese Weiterbildung funktioniert.


Interview: Gaby Schneider

Hans Elsasser, was bewog Sie, Präsident der Senioren-Universität zu werden?

Hans Elsasser: Weil ich die Senioren-Uni eine gute Sache finde. Für mich war es ausserdem ein guter Übergang von der Professorentätigkeit zu gar nichts. Was mich auch motivierte: Es ist etwas ganz anderes als meine frühere Tätigkeit.

Wer gestaltet das Programm?

Hans Elsasser: Im Wesentlichen bin das ich.

Wie gehen Sie da vor?

Hans Elsasser: Das ist relativ einfach. Wir machen etwa alle drei bis vier Jahre eine Umfrage bei allen Dozierenden der Uni und der ETH und fragen, ob sie bereit wären, einen Vortrag an der Senioren-Uni zu halten. Sie schlagen das Thema selbst vor und geben bekannt, wann sie Zeit hätten.

Besuchen Sie selbst auch Vorlesungen?

Hans Elsasser: Ja, fast alle, wann immer es mir möglich ist.

Welche Vorlesung hat Sie dieses Jahr besonders beeindruckt?

Hans Elsasser: Zum Beispiel ein Vortrag über Latein als Weltsprache. Das gefiel mir sehr gut, ist von einer jungen Assistenzprofessorin sehr lebhaft vorgetragen worden. Ausserdem erinnere ich mich an eine Reihe von interessanten medizinischen Vorträgen.

Es ist ja bekannt, dass medizinische Themen an der Senioren-Uni grossen Andrang haben.

Hans Elsasser: Das Programm ist auch ein wenig medizinlastig. Das ist nicht nur deshalb, weil Medizin bei den Senioren beliebt ist, sondern auch, weil die medizinische Fakultät sehr gross ist und deshalb viele Dozierende hat. Darum haben wir ein grosses Angebot von dieser Seite.

Passen die Dozenten ihre Ausführungen dem Publikum an, im Vergleich zu einer Vorlesung vor Studenten?

Hans Elsasser: Da würde ich sagen, zu 95 Prozent gelingt ihnen die Anpassung. Die Professoren werden von uns auch mehrmals darauf hingewiesen.

Wie läuft so eine Vorlesung ab?

Hans Elsasser: Der Vortrag dauert eine Dreiviertelstunde, dann gibt es eine Viertelstunde Pause. In dieser Pause können die Leute schriftlich Fragen stellen. Danach folgt die Beantwortung. Wenn noch Zeit bleibt, werden noch mündliche Fragen beantwortet.

Wer finanziert die Senioren-Uni?

Hans Elsasser: Hauptsächlich wird sie durch die Beiträge der Hörer finanziert.

Neben der Senioren-Uni gibt es auch die Volkshochschule. Worin unterscheiden Sie sich?

Hans Elsasser: Wir bieten beispielsweise keine Sprachkurse an, die Volkshochschule schon, dafür haben wir Computerkurse. Im Rahmen der Sonderveranstaltungen haben wir Exkursionen, aber nur eintägige. Die Volkshochschule hat mehrteilige Vortragszyklen, wir hingegen nur Einzelveranstaltungen. Die Vorträge der Volkshochschule finden am Abend, unsere am Nachmittag statt, das ist gerade für ältere Personen wichtig.

Kommen viele Akademiker an die Vorträge?

Hans Elsasser: Der Grossteil unserer Zuhörer sind Nichtakademiker. Es gibt auch noch die Möglichkeit, als Hörer oder Auditor reguläre Uni-Vorlesungen zu besuchen.


Interview gekürzt und redaktionell angepasst

(Zürichsee-Zeitung Bezirk Horgen vom 17.09.2012)