Wissenschaft und Weisheit: Vergessen – Eine Herausforderung für das Denken

Dieser Weiterbildungskurs, der 2012 vom Philosophischen Seminar der UZH angeboten wird, richtet sich an alle Interessierten.

Wer heute von Vergessen spricht, denkt womöglich an Demenz und Alzheimer, oder an Verdrängen in persönlicher oder gesellschaftspolitischer Hinsicht. Vergessen wird dabei häufig als das Gegenteil von Erinnern und Bewusstsein aufgefasst. Zu unrecht. In den letzten zehn Jahren ist das Vergessen wissenschaftlich nicht nur als Defizit erforscht oder als schmerzvolle Verletzung diagnostiziert worden, sondern auch als notwendige Kompetenz in Bezug auf Konzentration und Denkleistung, als Bedingung für politische Stabilität oder als Tugend insbesondere im Zeichen der Digitalisierung.

Ausgehend von aktuellen Forschungsarbeiten von Experten und Expertinnen und in gemeinsamen Gesprächen wird in diesem Kurs das «Vergessen» ins Zentrum des Interesses gerückt und dem Begriff im Kontext verschiedener Forschungsbereiche nachgegangen. Philosophie, Geschichte, Politikwissenschaft und Literatur haben dazu überraschende Erkenntnisse hervorgebracht ebenso wie Medizin und Neurobiologie oder Psychologie und Religionswissenschaft. Die Beschäftigung mit dem Vergessen schärft den Blick für ein komplexes Phänomen bzw. für die Verwendung von Begriffen wie «Gedächnis», «Erinnerung», «erinnern» und «vergessen».

In Vorträgen und Diskussionen, im Plenum und Gruppen wird man sich dem scheinbar bekannten Thema auf wenig begangenen Pfaden annähern. Expertinnen und Experten führen in ihre jeweiligen Perspektiven ein und vertiefen diese im Gespräch mit den Teilnehmenden. Dabei kommt den Fragen, die die Teilnehmenden stellen, eine zentrale Bedeutung zu.