Wissenschaft und Weisheit

Einzigartig ‒ Das Individuum im Spannungsfeld der Wissenschaften

Studienform Jeweils erster Montag im Monat
Gesamtdauer 7 Kurstage: 6. Februar, 6. März, 3. April, 8. Mai, 12. Juni, 3. Juli, 4. September 2017
Abschluss Teilnahmebestätigung
Zielpublikum Alle Interessierte
Kosten CHF 1'260.–
Einzelner Tag: CHF 250.-
Information Administration:
Universität Zürich, Weiterbildung, Romanie Marty
Hirschengraben 84, 8001 Zürich
Kursleitung:
Dr. Donata Schoeller, dsr@gmx.ch
Telefon +41 (0)44 634 29 85
Fax +41 (0)44 634 49 43
E-Mail rmarty@wb.uzh.ch
Beschreibung Hyperaktiv, depressiv, dement, autistisch, essgestört ‒ heutzutage weiss bereits jedes Kind, «was» es hat oder «was» es ist. Einmal diagnostiziert, wird jeder behandelbar. In der Medizin hat dieses Vorgehen ungeahnte Durchbrüche geschaffen. Der Umstand, dass körperliche Vorgänge, Pathologien und entsprechende Therapien verallgemeinert werden können, ist eine Errungenschaft, die neue Dimensionen von Gesundheit und Langlebigkeit gebracht hat.
Die Übertragung dieses Vorgehens auf andere Bereiche menschlichen Verhaltens wirkt sich heute auf die Strukturen täglicher Lebensweisen, Entscheidungen und Fragen aus. Frühkindliche Erziehung, Erwartungen und Anforderungen an das Schulkind, berufliche Alltagsbewältigung, Alterspflege, die verschiedenen Stationen des Lebens sind geprägt von Alternativen und Handlungsmöglichkeiten, die daraus entstehen, dass der Einzelfall durch wissenschaftliche Kategorisierungen erfasst wird. Das wirft gesellschaftlich, persönlich, aber auch wissenschaftlich Fragen auf: wie passt Einzigartigkeit in die wissenschaftlichen Verallgemeinerungen? Welcher Stellenwert kommt der Individualität zu und wie ist sie überhaupt zu erfassen? Wo in unserem Alltag, aber auch in der Wissenschaft, erleben wir die Reibungsfläche zwischen wissenschaftlichen Massstäben und dem einzelnen Menschen und seiner Entwicklung? Personalisierte Medizin, Gehirnforschung und Robotik liefern neuartige Antworten. Aber die Fragen sind nicht allein naturwissenschaftlich zu beantworten. Sie fordern zum eigenständigen Denken heraus und betreffen u.U. mutige Entscheidungen des Einzelnen.
In diesem Kurs gehen wir diesen Fragen im Gespräch vor allem mit Expertinnen und Experten der Humanwissenschaften nach. Dabei wollen wir grundsätzliche Fragen aus multidisziplinären Perspektiven andenken: Was heisst individuell, besonders, singulär oder einzigartig? Gibt es so etwas überhaupt? Ist «individuell» nicht immer nur Einzelfall eines (wissenschaftlichen) Gesetzes? Welche Art des Zugangs kann dem Individuellen gerecht werden? Welche Art des Denkens, wenn Denken doch vorab auf Allgemeines sich richtet? Welche Kompetenzen erfordert der wissenschaftliche Umgang damit? Welche Art der Kompetenz ist wiederum erforderlich, um zwischen erfolgreicher wissenschaftlicher Generalisierung und Systematisierung auf der einen Seite, und Individualität auf der anderen Seite, navigieren zu können? Wir hören hierzu Fachleute aus der Psychologie, Medizin, Neurowissenschaft, Artifizielle Intelligenz, Robotik und natürlich der Philosophie.

Programm:
  • Dr. Anna-Katharine Brem, Neuropsychologie, Max-Planck-Institut München
  • Prof. Dr. Jens Gaab, Psychologie, Universität Basel
    "Über die Beziehung diagnostischer Verallgemeinerungen und Individuum: Voraussetzung, Hindernis oder freundliches Desinteresse"
  • Prof. em. Daniel Hell, Psychiatrie, Universität Zürich
  • Prof. Dr. em. Helmut Holzhey, Philosophie, Universität Zürich (angefragt)
  • Prof. Dr. Lutz Jäncke, Kognitive Neurowissenschaft, Universität Zürich
  • Prof. Dr. Hennric Jockeit, Psychologie, Universität Zürich
    "Individualität zwischen Neurotypizität und Neurokapitalismus"
  • Dr. Andreas Kaminski, Technik Philosophie, Universität Darmstadt
  • Prof. Dr. em. Remo Largo, Entwicklungspädiatrie, Universität Zürich
  • Dr. Manuela Lenzen, Zentrum für Interdisziplinäre Forschung,
    Universität Bielefeld
    "Zwischen Big Data und persönlichem Assistenten: Wie individuell ist die künstliche Intelligenz"
  • Prof. Dr. Klaus Mainzer, Philosophie, Technische Universität München
    „Wie einzigartig ist der Mensch? Das Individuum im Spannungsfeld von Künstlicher Intelligenz, Robotik und Big Data“
  • Prof. Dr. Simone Munsch, Psychologie Universität Fribourg (angefragt)
  • Dr. Beatrix Rubin, Neurobiologie, Collegium Helveticum und Universität
    Basel (angefragt)
    "Das plastische Gehirn: wie sich eine neue Sicht auf das Nervensystem etablieren konnte"
  • Dr. Silke Schneider, Kompetenzzentrum Personalisierte Medizin,
    Universität Zürich und ETH (angefragt)
  • Prof. Dr. Peter Schulthess, Philosophie, Universität Zürich
Daten
6. Februar, 6. März, 3. April, 8. Mai, 12. Juni, 3. Juli, 4. September 2017

Anmeldetermin: 06.01.2017

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